Verspätete juristische Aufarbeitung

Eine juristische Aufarbeitung des Völkermords an den Sinti und Roma fand in den ersten Nachkriegsjahrzehnten allenfalls in Ansätzen statt. Wenn es überhaupt zu Verurteilungen kam, fielen die Urteile fast immer milde aus. In den Nürnberger Prozessen (1945 bis 1949) und in den Frankfurter Auschwitzprozessen (1963 bis 1965) wurden die Verbrechen an den Sinti und Roma lediglich am Rande behandelt, obwohl in beiden Verfahren auch Überlebende dieser Opfergruppe als Zeugen aussagten.

Erst mit dem Prozess gegen Ernst August König, einem früheren SS-Aufseher im „Zigeunerlager“ Auschwitz-Birkenau, rückte der Völkermord an den Sinti und Roma in den Mittelpunkt eines Verfahrens. Der Prozess begann im Mai 1985 vor dem Landgericht Siegen, nachdem der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma einen Ermittlungsantrag gestellt hatte. Am 24. Januar 1991 verurteilte das Gericht König wegen drei nachgewiesener Morde zu einer lebenslangen Haftstrafe. Bevor das Urteil rechtskräftig wurde, nahm er sich in seiner Zelle das Leben.

01 | Der deutsche Sinto Karl Mettbach als Zeuge beim Nürnberger Ärzteprozess (21. Juni 1947). Er gehörte zu den Opfern der sogenannten Meerwasserversuche im KZ Dachau. United States Holocaust Memorial Museum, Public Domain
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02.1 | Ernst August König mit seinem Verteidiger auf der Anklagebank des Landgerichts Siegen. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma trat im Prozess als Nebenkläger auf. Archiv DokuZ, Foto: Hellwig
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02.2 | Die Rechtsanwälte Arnold Roßberg (links) und Ulrich Roeder (rechts) als Vertreter der Nebenklage vor einem Modell von Auschwitz-Birkenau. Während des Prozesses sagten zahlreiche ehemalige Häftlinge als Zeugen aus. Archiv DokuZ, Foto: Westfälische Rundschau
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02.3 | Westfälische Rundschau vom 21. September 1988 Archiv DokuZ
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02.4 | Westfälischer Anzeiger vom 25. Januar 1991 Archiv DokuZ
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