Zu den Begriffen „Sinti“ und „Roma“

Sinti und Roma sind seit Jahrhunderten in den Staaten des heutigen Europas beheimatet. Als „Sinti“ bezeichnet man die Teilgruppe, die seit Beginn des 15. Jahrhunderts in Deutschland und den Nachbarländern lebt, als „Roma“ die seit dem Mittelalter in Ost- und Südosteuropa lebende Gruppe. Außerhalb des deutschen Sprachraums wird „Roma“ auch als Sammelbegriff für die gesamte Minderheit verwendet.

„Sinti“ sowie „Roma“ sind Gruppenbezeichnungen und zugleich männliche Plurarformen. Die männlichen Singularformen lauten „Sinto“ bzw. „Rom“, die weiblichen Singularformen „Sintiza“ (oder „Sinteza“) bzw. „Romni“. Die weiblichen Pluraformen sind „Sintize“ (oder „Sinteze“) bzw. „Romnja“.

Im Gegensatz zu den alteingesessenen deutschen Sinti sind Roma vor allem in jüngerer Zeit nach Deutschland gekommen. Eine kleine Zahl von Roma-Familien wanderte im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in das Deutsche Reich ein, sie werden als „deutsche Roma“ bezeichnet. Die meisten Roma kamen erst nach dem Zweiten Weltkrieg: als Gastarbeiter seit den 1960er Jahren, als Geflüchtete aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg seit Anfang der 1990er Jahre, schließlich im Zuge der Erweiterung der Euro­päischen Union seit der Jahrtausendwende.

In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erkannten Sprachwissenschaftler, dass Sinti und Roma ursprünglich aus Indien stammten: aufgrund der Ähnlichkeit ihrer Sprache Romanes mit dem altindischen Sanskrit. Ungeachtet ihrer gemeinsamen Herkunft sind die nationalen Sinti- und Roma-Gemeinschaften geprägt durch die Geschichte und Kultur ihrer jeweiligen Heimat­länder und zeichnen sich durch große Heterogenität aus.

„Zigeuner“ ist eine von Vorurteilen und Klischees überlagerte Fremdbezeichnung der Mehrheitsgesellschaft, die von den meisten Sinti und Roma als diskriminierend abgelehnt wird. Kern des „Zigeuner“-Konstrukts ist die Zuschreibung einer nichtsesshaften Lebensweise, die sich grundlegend von der Werteordnung der eigenen Gruppe oder Nation unterscheidet. Obgleich Sinti und Roma in vielen Regionen seit Generationen ansässig sind, ist der jahrhundertealte Mythos vom „Wandervolk“ bis heute lebendig.

Die Durchsetzung der Eigenbezeichnungen „Sinti“ und „Roma“ im öffentlichen Diskurs war ein zentrales Anliegen der Bürgerrechts­bewegung, die sich seit Ende der siebziger Jahre in der Bundesrepublik formierte. Dadurch sollte zugleich ein Bewusstsein für jene Vorurteilsstrukturen und Ausgrenzungsmechanismen geschaffen werden, die im Stereotyp vom „Zigeuner“ ihre Wurzeln haben.